Der Distelsumpf

Die kleine Hafenstadt ist bekannt für ihr buntes treiben. Auch wenn Akuya nicht sonderlich groß ist, so ist sie dennoch eine Handelshochburg. Für ihre süßen Backwaren und ihre hochwertigen Stoffe ist Akuya weit bekannt, aber auch für die Lebensfreude und das gewisse etwas.

Re: Der Distelsumpf

Beitragvon Icariel » So, 27.04.14 * 17:13

Icariel unterbrach Loeken nicht, als dieser einen zweiten Anlauf brauchte, um das auszusprechen, das ihm auf dem Herzen lag. Es wunderte ihn ehrlich gesagt nicht, so ausgetrocknet, wie der Greifendämon war... da konnte einem schonmal die Stimme etwas versagen, beziehungsweise sich nach einer Krähe anhören, die gerade erdrosselt wurde.
Die Worte des Greifendämons ließen Icariel dann aber verwundert die Augen etwas weiten. Mit einer so direkten Antwort auf seine Aufforderung hatte er nicht gerechnet, besser gesagt nicht mit solchen fundamentalen Dingen... er hatte mehr an die im Moment naheliegendsten Sachen gedacht, wie mehr Wasser und noch etwas zu essen. Und... ach herrje, fing Loeken etwa zu weinen an?
"Nicht doch..." sprach Icariel sanft, und streckte eine Hand nach Loeken aus, um sie ihm in einer tröstenden Geste auf den Kopf zu legen. Umarmungen eigneten sich hierfür zwar besser, doch der Engel hatte die Befürchtung, dass das den Greifendämon noch etwas überfordern könnte.
"Du musst Schlimmes durchgemacht haben... doch sei versichert, dass ich nun auf dich Acht geben werde." Ein gewagtes Versprechen, denn genau genommen hatte Icariel einen dringenden Auftrag - natürlich, umsonst wurde kein Engel zur Erde gesandt. Doch es widerspräche seinem Wesen, Loeken, der so dringend Hilfe brauchte, einfach zurückzulassen. Nein, das kam nicht in Frage. Seinen Auftrag konnte er jedoch ebensowenig einfach aufschieben, denn dafür war jener zu wichtig. So gesehen... gab es also nur eine Möglichkeit. Zwar blieben die Züge des Engels mitfühlend und sanft, doch zugleich zeichnete sich auch Ernst in ihnen ab.
"Ein Zuhause kann ich dir jedoch nicht geben Loeken, denn es gibt einen Ort, an den ich unbedingt gelangen muss, um dort zu erledigen, was mir aufgetragen wurde. Doch vielleicht finden wir für dich auf dem Weg dorthin ja eines?"
Aufmunternd lächelte Icariel dem Greifendämon nun zu. Eine andere Möglichkeit, als Loeken mit sich zu nehmen, blieb ihm nicht, wenn er ihm helfen und zugleich aber seinen Auftrag erfüllen wollte.
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Re: Der Distelsumpf

Beitragvon Loeken Rokash » So, 27.04.14 * 17:33

Aus Gewohnheit schloss er schnell seine Augen, als Icariels Hand seinen Kopf berührte. Aber hörte ihm dennoch aufmerskam zu.
Anschließend erhob er sich und setzte sich mühseelig auf. Mit sehr blassem Gesicht sah er Icariel an, die Tränen floßen immer noch den Wangen herab. Er schluchze und schniefte nicht, eine Träne nach der anderen trat einfach aus seinen Augen hervor.
"Wenn . . .", er dachte sichtlich nach, ". . . wenn, wir kein zu Hause für mich finden, dann . . . dann will ich wenigstens lernen, wie ich alleine überlebe. Ich . . .", jetzt war der Zeitpunkt wo er nun richtig zu weinen anfing, "Ich - hab das nie gelernt.", presste er mühevoll heraus.
Fest griffen seine Hände die dünne Decke und richtete seinen Blick auf diese. Sein Schmerz über die Tatsache alleine nicht überleben zu können schmerzte so sehr. Und auch das Wissen darüber, das er wohl nie jemanden finden würde, der für immer bei ihm bleibt.
Sicherlich gibt es diesen Jemanden für ihn höchstwahrscheinlich auch, aber daran glaubte Loeken nicht oder dachte vielleicht auch gar nicht daran.
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Re: Der Distelsumpf

Beitragvon Icariel » So, 27.04.14 * 17:48

Ein mehr als nur verständlicher Wunsch, doch das war nun nicht das Vorrangige, auf das Icariel einging. Fassungslos sah er mit an, wie mitgenommen Loeken wirklich war, und er konnte nur erahnen, wie viel er bereits gelitten haben musste... das Mitleid, das er für ihn empfand, war so überwältigend, dass sich Icariel nun doch nicht mehr zurückhalten konnte. Er erhob sich von dem Stuhl, setzte sich stattdessen zu Loeken aufs Bett, und zog den Greifendämon in eine tröstende Umarmung.
"Nicht doch..." wiederholte er, während er ihm beruhigend mit einer Hand über den Rücken strich. "Ich werde bei dir bleiben, solange du mich brauchst, und dir zeigen, wie du auch alleine zurechtkommst. Es ist gut jetzt."
Wie genau er das anstellen würde, war zwar eine andere Frage, aber eine, über die er sich auch später noch den Kopf zerbrechen konnte. Jetzt war erstmal wichtig, dass sich Loeken wieder beruhigte, und wieder zu Kräften kam. Danach würden sie schon sehen, wie sie das dann angingen.
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Re: Der Distelsumpf

Beitragvon Loeken Rokash » So, 27.04.14 * 18:50

Wie ein Kind das diese Fürsorgliche Umarmung nötig hat drückte sich Loeken ihm entgegen. Mit einer Hand grief er den Stoff an dessen Brust und schluchzte leise vor sich hin. Die große Schwinge an dessen Arm drückte sich zur Seite unter Icariels Arm nach hinten. Beide Schwingen waren total zerzaust und ungepflegt. Ein Wunder das ihm nicht bereits sämtliche Federn fehlten.
Seine Stirn drückte er an dessen Nacken, sein Weinen hörte man dadurch gedämpft, weil er sein Gesicht in das Gewand von Icariel drückte.
Als er sich langsam beruhigte, erhob er seinem Blick und sah noch leise schluchzend in Icariels schöne blauen Augen. Mit einem blinzeln floßen die letzten Tränen an seinen Wangen herab.
Langsam senkte er seinen Blick wieder und sah von Icariel weg.
"Ich werde alles tun, d-damit ich dir nicht im Weg stehe.", kam es ganz leise von Loeken. Er empfand es als unverschämt so etwas zu sagen, gleich nachdem Icariel sagte, er würde für ihn so lange da sein, wie er ihn brauchte. Deshalb sprach er das so leise wie nur möglich.
Und trotzdem, empfand er es auf eine anderere Art und Weise richtig, das zu sagen.
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Re: Der Distelsumpf

Beitragvon Icariel » So, 27.04.14 * 19:12

Loeken war seelisch in einem schlimmeren Zustand, als gedacht... und so langsam überkam Icariel die ungute Vermutung, dass das das Resultat von ärgster Vernachlässigung und Gleichgültigkeit sein musste. Hatte Loeken denn die ganze Zeit über nie jemanden gehabt, der sich um ihn gekümmert hatte und für ihn da war, wenn er jemanden brauchte? Das war ja schrecklich...
Beständig über den Rücken des Greifendämons streichend, ließ Icariel Loeken einfach die Zeit, die er brauchte, um sich wieder ein wenig zu fangen. Das war in solchen Momenten das Einzige, das man machen konnte, denn unter gar keinen Umständen durfte er ihn nun zu irgendetwas drängen - und sei es nur dazu, sich zusammenzureißen. Die Worte des Greifendämon ließen Icariel dann wieder sanft lächeln, und erneut schüttelte er leicht den Kopf.
"Du stehst mir doch nicht im Weg. Hab keine Angst, das wird schon." versicherte er ihm, und legte ihm nochmal für einen Moment eine Hand auf den Kopf. "Jetzt ist es ohnehin erstmal wichtig, dass du wieder auf die Beine kommst. Ich denke, dass wir noch ein paar Tage hier bleiben können, bis es dir wieder besser geht... dann müssen wir aufbrechen." Denn es ließ sich nunmal nicht unnötig aufschieben - er war vom Himmel herabgesandt worden, um den irdischen Bewohnern im Kampf gegen die (wirklich bösen) Dämonen beizustehen, und das war keine Nichtigkeit.
Lächelnd nahm Icariel die Hand wieder von Loeken, und neigte den Kopf leicht vor, um dessen Blick zu suchen. "Wenn du also Hunger oder Durst hast, oder noch etwas schlafen möchtest, nur raus damit."
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Re: Der Distelsumpf

Beitragvon Loeken Rokash » So, 27.04.14 * 19:43

Leicht linste er aus den Augenwinkel zu Icariel, als er merkte das dieser sich vorgebeugt hatte und versuchte ihn an zu sehen, war seine erste Reaktion erst einmal noch weiter weg zu sehen. Aber gleich darauf bewegte er den Kopf langsam zurück zu Icariel und sah ihn nun wieder an.
Die Spuren der Tränen lagen noch in seinen Augen und Verzweiflung stand ihm ins Gesicht geschrieben.
"I-Ich weiß nicht, was genau ich brauche. U-um zu Krä-ften zu kommen.", nun fügte sich zum Blick der Verzweiflung auch noch die des Fragenden hinzu.

Nach ein paar Tagen, war es dann soweit und Icariel hatte ihn auf die Beine bringen können. Mit noch mehr Kastanien und auch hin und wieder mal gebratenem Fleisch, von einem Tier das zufällig gesichtet wurde.
Mit neu organisierten Klamotten, die in der Hütte so herum lagen und dem Greifen passten, stand der Aufbruch vor der Tür. Unwissend und unsicher wartete er darauf, das Icariel voraus ging und sagte in welche Richtung er wolle.
Mit den Tagen die vergingen, konnte sich Loeken so einigermaßen an die Gesellschaft des Engels gewöhnen. Natürlich war noch immer Argwohn und Angst vor schlimmen Geschehen vorhanden, aber Loeken wusste das dies seine Chance war, vielleicht einmal alleine sein Leben bestreiten zu können.

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Re: Der Distelsumpf

Beitragvon Icariel » Do, 05.06.14 * 23:07

Icariel hatte mit Freude und Erleichterung beobachtet, wie sich Loeken so langsam an ihn ein wenig gewohnt hatte - das erleichterte schließlich vieles. Die echte Herausforderung stand ihnen allerdings erst noch bevor, denn nun war es an der Zeit, aufzubrechen, und das bedeutete zwangsläufig auch, dass ihnen früher oder später andere Leute über den Weg laufen würden. Doch Icariel war zuversichtlich, dass Loeken das schaffen würde, immerhin war er ja auch bei ihm.
Mit einem Lächeln nickte er Loeken ermutigend zu, als dieser schon aufbruchsbereit vor der Tür stand.
"Unser Weg führt uns nach Westen, nach Akuya. Eine Hafenstadt, aber keine Angst, ich werde die ganze Zeit bei dir sein, sodass du nichts zu fürchten hast." Ein weiteres, aufmunterndes Lächeln, dann setzte sich der Engel in Bewegung.

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